Mit dem Oldtimer auf der Route des Grandes Alpes

Die Route des Grandes Alpes - der wohl berühmtestes Weg durch die französischen Alpen bis zum Mittelmeer. Ich nehme euch mit auf meine eigene Interpretation der Route mit dem BMW E24.

Viel zu wenig Zeit und viel zu sehr Bock auf eine abgefahrene Route von den Bergen bis ans Mittelmeer. Perfekte Voraussetzungen gibt es nie und wer sagt denn, dass man sowas nur einmal im Leben machen kann? Also müssen 10 Tage fürs erste Mal reichen. Der 6er? Benötigt dieses mal keine Vorbereitung, alles schnurrt und ölt munter vor sich hin.
Lediglich die Routenplanung ist, trotz offizieller Route des Grandes Alpes, etwas aufwändiger. Der Grund liegt darin, dass ich gerne etwas mehr links und rechts der Strecke mitnehmen möchte. Das heißt, einsame Zeltplätze in den Bergen und ein Ferienhaus in der Nähe von St. Tropez. Wenn schon Frankreich, dann auch entsprechend residieren!

Kick-off: Von Bonn in die Schweiz zum Klöntalersee

7 Stunden Fahrzeit und ausnahmsweise mal keine Kontrolle an der Grenze Deutschland-Schweiz. Dafür aber ein ordentlicher Stau am Grenzübergang Rheinfelden, der die Kühlwasser-Temperatur des 6ers erneut ordentlich ansteigen und mir die Schweißperlen auf die Stirn zaubern liess. Mittlerweile sollte ich es gewohnt sein, aber manches ändert sich scheinbar nie. Kurz vor Erreichen des roten Bereichs ging es dann doch zügig an den Grenzbeamten vorbei und die Temperatur sank so schnell wie sie zuvor stieg. Im Januar 2019 wird dieses Thema hoffentlich endgültig durch sein.

Ziel für die ersten zwei Nächte war, wie im Frühjahr auch schon mal, der Klöntalersee im Kanton Glarus. Am See gibt es zwei Campingplätze, wobei es nur auf einem möglich ist das Zelt direkt am Auto aufzubauen. Bei dem kalten Regenwetter absolut notwendig. Die Betreiberin vom Platz im Frühjahr konnte hier leider, trotz offensichtlich sehr geringer Besucherzahl, keine Lösung für uns finden. Also entschlossen wir uns für Campingplatz Güntlenau und bauten gleich mal das Sonnen- oder besser gesagt Regensegel direkt auf. Diesmal hat es sich absolut gelohnt mal einen ganzen Tag hier zu verbringen und den Nachmittag zum wandern und erkunden der Umgebung zu nutzen. Kleine Wasserfälle, dichte Wälder... genau das richtige Kontrastprogramm zu den kommenden langen Fahrten.

Über den Furkapass bis nach Martigny

Bevor es nach Frankreich ging, durfte der Furkapass auf dem Weg natürlich nicht fehlen. Auf einem Montag im September ist dort scheinbar wirklich nicht viel los. Wir konnten problemlos überall anhalten und ordentliche Fotos machen ohne dass wieder mal ein Reisebus die Sicht versperrt.

Hinterm Pass gab es auch gleich eine größe Pause zur Besichtigung des Rhonegletschers sowie der Eishöhlen unter dem Gletscher. Beeindruckend und erschreckend zu gleich wenn man sieht, was vom ursprünglichen Gletscher noch übrig geblieben ist. Vor allem, wenn man die Fotos der Eltern vergleicht, die vor 30 Jahren dort waren.
Es lohnt sich jedenfalls den Eintritt zu bezahlen um einen Spaziergang entlang des Gletschers zu machen und die Eishöhlen zu besichtigen.

Camping in Martigny

Definitiv einer der schönste Naturplätze auf denen ich jemals übernachtet habe. Nahe Martigny, auf schweizer Seite in 1600m Höhe, findet ihr nach einer langen Anfahrt in die Berge ziemlich am Ende einen der schönsten Plätze umgeben von steilen Felswänden und einem zum greifen nahen Sternenhimmel. Ja, das Wetter war nach dem mediteranem Klima im Tal wieder richtig schlecht und kalt geworden, es nieselte und dann noch Zelt aufbauen? Na gut, wenn's sein muss... Aber die Umgebung entschädigt einfach für alles.

Entlang der Routes des Grandes Alpes

So viele Pässe, so viele Kurven... hinter jeder Kurve müsste man eigentlich anhalten und das Panorama aufsaugen.
Daher hier nur ein paar knappe Impressionen von dem, was wir links und rechts festgehalten haben.

Ferienhaus umgeben von Wein

Irgendwann, auf dem letzten Drittel der Route des Grandes Alpes, mussten wir rechts abbiegen um über den Gorge du Verdon zu unserem Ferienhaus zu gelangen. Eine schwere Entscheidung, aber das Haus war ja bereits gebucht und bezahlt.

Gerade 25 Minuten vom Meer entfernt stand das Anwesen, umgeben von Weinfeldern, großzügig abgezeäunt in einer herrlichen Idylle. Genau das Richtige nach den langen Etappen der letzten Tage. Vom 6er ins Haus, in die Badebuchse und direkt in den Pool, besser geht es kaum.

Die gute Laune wurde am Donnerstag dann aber doch etwas getrübt. Nach einem Ausflug entlang der Küstenstraße zu den Spots an denen wir im Jahr zuvor schon im Rahmen der European 5000 Rallye angehalten hatten, kam es doch noch zum typisch französischen Auffahrunfall. Im Stop-And-Go Verkehr im Nieselregen in Frejus schaute ich noch in den Rückspiegel und wunderte mich, dass der Kollege hinter mir ziemlich ungebremst auf mich zu kam... und schon knallte es.
Also direkt im Verkehr und Regen rechts rangefahren, die Nerven etwas blank, erstmal das Auto begutachten. Er hatte die Stoßstange hinten ziemlich mittig getroffen und zusammengeschoben, dazu noch leicht die Karosserie, alles erstmal halb so wild. Ärgerlich, ja, aber mit so etwas kann man in Ruhe weiter durch den Urlaub gleiten. Was meine Laune wesentlich besserte war, dass mir scheinbar der einzige Franzose weit und breit in die Karre gefahren war, der sofort englisch mit mir sprach, sich tausend mal entschuldigte, mir alle Papiere aushändigte samt Telefonnummer usw. Damit hätte ich weniger gerechnet als mit einem Unfall in Frankreich!
Also erstmal entspannt zurück zum Ferienhaus, ein Bier auf den Schock und eine Runde durch den Pool.