Mit dem Oldtimer auf der Adria Magistrale

14 Tage, 4500km, Österreich, Slowenien, Kroatien und Bosnien. Was für ein Ritt auf der Adria Magistrale! Morgens losfahren, entdecken was auf dem Weg liegt und abends auf den schönsten Campingplätzen am türkisen Wasser das Zelt aufschlagen.

Kurz vor dem Trip herrscht nie Ruhe. Die Projektlage platzt aus allen Nähten, es muss noch so viel besorgt werden und... moment, was ist das für eine Pfütze dort unterm 6er?!

Eigentlich hatte ich das Getriebe im Frühjahr abdichten lassen. Ich hatte keine Lust mehr alle paar tausend Kilometer auf Reisen unters Auto krabbeln zu müssen um Getriebeöl aufzufüllen. Dass jetzt allerdings zwei Woche vor dem Start Richtung Süden sich wieder 5 Flecken unterm Auto breit machen wollten war so nicht ok. Und da ein Problem ja selten allein kommt, erwartete mich beim Gang in die Tiefgarage zusätzlich auch noch eine große Pfütze Servoöl. Ein Traum.

Zumindest konnte ich mich beim Servoöl wieder etwas beruhigen. Die Schläuche schwitzten schon seit Längerem, aber offensichtlich wurde die Servoflüssigkeit oben aus dem Servoölbehälter herausgedrückt. Das war mir lieber als eine Undichtigkeit in den Schläuchen, denn die lässt sich BMW leider ziemlich gut bezahlen...
Nach etwas Recherche zu dem Thema fand ich heraus, dass vermutlich zwei Dinge zusammenkamen: Die Entleerung des Druckspeichers und die Überfüllung des Systems durch die Werkstatt. Einen Bremskraftverlust und Auffälligkeiten in der Lenkung konnte ich nämlich keine feststellen.

Also wuchs die Packliste kurz vor dem Start noch um eine Flasche Getriebeöl sowie Servoöl an... Roadtrips sollen ja auch noch Abenteuer sein und keine Kaffeefahrt.

Die Route bis Dubrovnik

Österreich

Am Freitagabend nach der Arbeit ging es los. Mit dem Sonnenuntergang im Rücken über die A3 nach Frankfurt, weiter über Würzburg bis nach Nürnberg, wo die erste Übernachtung im Hotel anstand.

Am nächsten Morgen ging es sportlich weiter über München, die A8 und A93, um kurz vor der Grenze von der Autobahn abzufahren und ab hier die Landstraßen einzunehmen.
Ziel des Tages war Heiligenblut, um dort mit der ganzen Familie die Goldene Hochzeit meiner Eltern zu feiern und das letzte ordentliche Bett für die nächsten zwei Wochen zu genießen.
Da konnte ich es mir auch nicht nehmen lassen, wieder die 36 Euro für den Großglockner zu bezahlen und den 6er die leeren Straßen hochzujagen. Was für ein riesiger Unterschied, hier in der Vorsaison unterwegs zu sein. Keine Wohnmobile und SUVs die vor einem hereiern, wenige Motorradfahrer die drängeln und keine Menschen, die einem ständig ins Foto laufen. Wirklich perfekte Bedingungen. Die Murmeltiere haben's scheinbar auch genossen, denn sonst haben wir in der Ecke noch keine gesehen bei dem Trubel.

Slowenien

Das erste Mal Slowenien. Das war schon etwas spannend und insgeheim habe ich mich immer wieder gefragt, warum dieses Land bis jetzt nie bei meinen Trips berücksichtigt wurde. Absicht war es sicherlich nicht, eher Zufall.

Aber ich freute mich drauf, denn eine Freundin schwärmte schon seit Längerem von der schönen Natur und dem kleinen Land im Allgemeinen.

Aber ich kann eins vorab verraten: Wenn man nicht vor hat die Autobahnen des Landes zu nutzen (Vignettenpflicht), hat man wirklich ein paar abenteuerliche Straßen vor sich und sollte viel Zeit mitbringen sowie einen vollen Tank.

Straßen, die bei uns nur für die Forstwirtschaft zugänglich wären, Straßen die so eng sind, dass keine zwei Autos nebenher passen, Straßen, die sich kilometerlang auf Schotter durch die Wälder immer höher die Berge hinauf schlengeln... ein absolutes Highlight für Autofahrer, womit ich niemals gerechnet hätte! An einigen Stellen war ich mir sicher, dass hier niemals ein 6er lang gefahren sein muss. Wir haben auf diesen Straßen nur selten jemanden getroffen und doch fand man immer wieder kleine Dörfer am Wegesrand... man würde sagen, mitten im Nirgendwo.

Für den weitern Hinweg hatte ich mir die Stadt Bled rausgesucht, um dort am See die Burg Bled zu besichtigen sowie die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, welche mitten im See auf einer kleinen Insel liegt. Man kann super am See entlang spazieren, den Blick genießen und auch im klaren Wasser schwimmen gehen. Es bieten sich durch die Burg und natürlich vor allem durch die Kirche zahlreiche schöne Fotomotive. Die Parksituation am See direkt war allerdings etwas stressig.

Für den Abend hatte ich im Vorfeld einen Zeltplatz im Triglav-Nationalpark rausgesucht. Von Richtung Osten aus zwar eine sehr lange Einbahnstraße, man wird am Ende jedoch mit dem wunderschönen Bohinjsko jezero See belohnt in einer einmaligen Bergkulisse. Dass der Zeltplatz genau am See liegt und sich durch den Wald schlängelt ist fast schon Ehrensache.
Wir wurden auf dem Zeltplatz Camp Zlatorog Bohinj wirklich sehr freundlich empfangen und konnten uns in allen Bereichen einen Platz aussuchen. Letztendlich entschieden wir uns nicht direkt am Auto zu zelten, dafür aber mitten im Wald mit Blick auf den See. Der Platz ist wirklich eine Empfehlung wert. An sich ist er sehr einfach gehalten, es gibt ein kleines offenes Restaurant (mehr Imbiss), einfache Sanitärräume und abschließbare Handyladeplätze. Die Hundefreundlichkeit, die lockere Atmosphäre auf dem Platz und vor allem die Lage mit Ausblick sind jedoch unschlagbar.

Kroatien, Istrien

Grenzübergang Sočerga. Und natürlich: "Bitte rechts ranfahren". Der kroatische Grenzbeamte war jedoch sehr freundlich als er fragte, wo wir herkommen, wo wir hin wollen, was wir arbeiten (... das war neu). Kurz noch einen Blick ins Auto, den Kofferraum, das Handschuhfach und dann war auch schon alles ok. Er erzählte dann noch von seiner Freundin, die im gleichen Bereich arbeitet wie ich und so weiter... eine nette Begrüßung in Kroatien :-)

Für die erste Nacht war die Umgebung rund um Rovinj eingeplant. Ursprünglich wollten wir um Istrien sogar einen kompletten Bogen machen. Als beliebtes Urlaubsziel der Deutschen, und damit auch in der Vorsaison gut besucht, bestätigte sich dann die Vermutung Vorort. Mit dem Campingplatz Mon Paradis hatten wir neben den ganzen riesigen Camping-Resorts einen ruhigen Platz gefunden, der zwar voller deutscher Reisender war, aber mit seinem kleinen Platz und direktem Zugang zum Meer schon wieder eine gemütliche Atmosphäre aufkommen liess. Die anderen Camper waren sehr freundlich und der 6er durfte direkt unterm Olivenbaum stehen. Trotzdem war dies der vollste Zeltplatz in den kompletten zwei Wochen.

Kroatien, Lika-Senj

Am nächsten Morgen ging es, nach einem kurzen Stopp im schönen Pula, direkt wieder ins Landesinnere Richtung Rijeka. Gerade die 66 ab Polmin, immer entlang der Küste bis Rijeka ist toll zu fahren und bietet einen traumhaften Blick auf die Städte an der Küste. Der Abschnitt Opatija, Matulji und Rijeka selber ist dann zwar wieder etwas städtischer und hektischer, wird aber kurz danach auf der Adria Magistrale wieder eine ganze Ecke ruhiger. Naja, sofern man vom gestressten und waghalsigen Fahrstil der Kroaten mal absieht ;-)

Wir suchten uns einen Zeltplatz südlich von Zengg, in einer traumhaften Bucht, um von dort am nächsten Tag die Plitvicer Seen anzufahren.

Kroatien, Plitvicer Seen

Ja, man hatte uns davor gewarnt was dort an Plitvicer Seen los sein wird. Und ja, es hatte sich anfangs bestätigt.
Von der Küste fuhren wir ca. 1,5 Stunden durch eine wunderschöne und gleichzeitig so einsame Natur... zu Bgeinn gab es noch einige wenige Honig- und Käsestände, nach kurzer Zeit nur noch Wald, Wiesen und stille Dörfer.

Der große Tourismus-Hammer setzte dann aber pünktlich mit der Ankunft an den Seen an. Busse voller Japaner, Schulklassen aller Länder, Touristenführer mit gelben Regenschirmen... alles dabei. Aber gut, wir wollten es so und die Idee war: Einmal da gewesen sein.

So voll es auch auf den Wegen war, so viele Smartphones und Selfiesticks man auch vor dem Gesicht hatte, so wunderschön war es auf der anderen Seite auch. Unbeschreibliches türkisfarbenes Wasser, verschlungene Pfade, Wasserfälle... das volle Programm um den Finger nicht mehr vom Auslöser zu nehmen.
Nach 20 Minuten aber, also recht früh, blitzte es jedoch plötzlich und aus dem Donner wurde mit einem Mal ein so heftiger Regen, dass Kinder anfingen zu schreien und alle, wirklich alle Touristen mit einem Schlag weg waren. Freunde haben mir auf meinen Fotos bestätigt, dass man die Plitvicer Seen ohne Menschen eigentlich nicht fotografieren kann. Aber seht selbst. Als Vergleich dazu das letzte Foto zu dem Zeitpunkt, als wir den Nationalpark wieder verliessen.

Kroatien, Zadar und Split

Nach zwei Tagen in der traumhaften Bucht zog es uns weiter Südlich an der Adria entlang. Zadar zu besichtigen und der Meeresorgel zu lauschen stand schon lange auf der Liste. Die Meeresorgel ist an einem kleinem Stück in die Promenade eingelassen und erzeugt mystische Klänge durch die Meeresströmung und Resonanzkörper unter den Steinen.

In der Altstadt Zadars gibt es viel zu entdecken und beim Schlendern durch die Gassen fühlt man sich etwas in eine italienische Stadt versetzt...

Nach einem guten und günstigen Essen in einem grünen Hinterhof fuhren wir noch ein Stück weiter Richtung Zadar um dort, wieder mal direkt am Meer, unser Zelt aufzuschlagen.

Kroatien, Bosnien und Pelješac

Noch am Abend, in der Nähe von Split, bekamen wir über Instagram einen Tipp für eine einmalige Übernachtung: Ein Zeltplatz auf der Halbinsel Pelješac, auf der man nachts eine Wildpopulation Schakale heulen hören kann! Das konnten wir uns nicht entgehen lassen, und da es aus Richtung Norden kommend sowieso nur ein kleiner Umweg war, haben wir Dubrovnik noch einen Tag aufgeschoben und die Halbinsel angesteuert.

Split selber haben wir uns an diesem Tag gespart, mir war nicht wirklich nach Stadt-Verkehr und Bosnien lag ja auch noch vor uns.

Vorbei an Podgora, wo ich auf der Rückfahrt ein Haus gemietet hatte, ging es immer weiter südlich, und die Spannung nach Bosnien zu reisen wurde immer größer. Das letzte Stück zog sich allerdings unerwartet lange... Die 8 verabschiedet sich irgenwann von der Küste und macht einen großen Bogen durch das Landesinnere. Bei brennender Sonne, trockenen Felder und Obstständen am Straßenrand fühlte ich mich gleich in die Auto-Reise meiner Kindheit nach Griechenland versetzt.

An der bosnischen Grenze selbst ging es so schnell, dass es kaum der Rede wert ist. Wir hatten für einen anderen Tag noch die Besichtigung von Mostar eingeplant und uns schon auf genauere Kontrollen eingerichtet aber in diesem Fall war es einfach nur: Perso zeigen, weiter. Astrein!

In Bosnien selber haben wir in Neum noch mal komplett vollgetankt. 1,10 Euro für den Liter Super Plus. So schnell wir aber in Bosnien drin waren, waren wir auch wieder hinaus. Ich konnte mich zwar noch mit Getränken eindecken, aber für viel mehr war keine Zeit... wir wollten auf die Halbinsel!

Kurz hinter der Grenze geht es dann rechts ab auf die 8 und damit einer wunderschöne Straßen auf der Halbinsel. Unberührte Natur, wenig Zivilisation... genau nach meinem Geschmack.

Unser kleiner Zeltplatz befand sich direkt am Meer, in der Nähe der kleinen Hafenstadt Trpanj umgeben von nichts außer Sträuchern soweit das Auge reicht. Und ja, wir haben nachts die Schakale gehört! Wahnsinn wenn man im Zelt liegt, mitten im Nirgendwo und so ein ganzes Rudel hört...

Kroatien, Dubrovnik

Von Pelješac war es dann am nächsten Morgen nur noch eine gute Stunde Fahrt bis Dubrovnik. Für diesen frühen Samstag-Mittag hatten wir uns jedoch eine Ferienwohnung, 20 Minuten von der Altstadt entfernt, gebucht. Durch die Stadt schlendern, Bier trinken und keinen zeitlichen Druck haben war nämlich die Grundlage die ich für meinen ersten Besuch in Dubrovnik schaffen wollten.

Nach einem kurzen Spaziergang an der Küste entlang und durch den ruhigen Park Gradac, trafen wir dann unten am Tor zur Altstadt, dem Pile-Tor, auf die erste große Traube an Touristen, die busweise zum Eingang gekarrt wurde. Aber dank der Vorsaison alles noch im Rahmen, auch innerhalb der Stadtmauern.

Die Dokumentationen über Dubrovnik hatten nicht gelogen. Eine traumhafte Altstadt mit so vielen kleinen Gassen, der riesigen Stadtmauer, kleinen Nischen und Durchgängen, versteckten Restaurants... einen Tag kann man hier mindestens einplanen, besser aber ein Wochenende.

Die größte Überraschung war ein unscheinbarer Durchgang durch die Stadtmauer, keine Werbung, kein Schild, aber auf der anderen Seite das offene Meer und eine kleine, terassenförmig angelegte Bar "on the rocks".

Auch das Essengehen gestaltet sich in Dubrovnik nicht wirklich schwierig. Beim Spaziergang durch die Gassen wird man quasi alle paar Meter in verschiedensten Sprachen angesprochen und ins jweilige Restaurant gelockt. Der Service war hier jedoch wirklich mehr als empfehlenswert bei den günstigen Preisen. So zuvorkommende Kellner hatten wir im ganzen Land noch nicht erlebt.

Kroatien, Podgora

Aber wie das so ist auf einem Roadtrip: Bei nur einem einzigen Tag in der Stadt bekommt man sofort wieder Sehnsucht nach der Straße und dem Losfahren.

Für die nächste Station hatte ich zwei Tage in einem abgelegenen Ferienhaus in Podgora gebucht. Die Hausvermieterin musste uns an der örtlichen Tankstelle abholen um uns dann den Berg hinauf, vorbei an vermeintlich verlassenen Häusern bis ans Ende einer Sackgase zu führen, wo ihr Haus stand. Mehrere Terassen an Garten, Palmen, Mandelbäume, Feigenbäume, Orangenbäume, Granatapfelsträuche... hier hatte man alles. Und zusätzlich seine Ruhe sowie einen unschlagbaren Ausblick. 

Mit den Menge an Raupen, riesigen Grillen und sonstigem Zeug das hier in Ruhe durch die Gegend flattert, muss man sich jedoch auch erstmal arrangieren.

Rückfahrt

Vorbei an Split und Zadar war es nach über der Hälfte der 14 Tage nun langsam Zeit wieder Strecke Richtung Norden zu machen. Einen richtig schönen Zeltplatz direkt am Meer fanden wir jedoch nur noch einmal.

Rund um Rijeka gab es leider so wenige Campingplätze, dass wir uns am letzten Abend entschieden, ein Hotelzimmer im Seebad Opatija zu buchen.

Eine hübsche kleine Stadt mit vielen Restaurants und Bars sowie reich an Kultur und Geschichte. Letzterer Eindruck wurde jedoch häufig verdrängt von einer "sehen und gesehen werden" Mentalität auf der Straße. Die Stadt scheint krampfhaft die Gutverdiener anlocken zu wollen mit ihren pompösen Hotels und Eingangsbereichen. Wer jedoch kommt sind eher die Familien mit Passat statt der Pärchen mit Porsche.
Nichtsdestotrotz, der Service im Hotel und den Bars war wirklich große Klasse und zuvorkommend.

Der Rest des Trips? Slowenien, Österreich, Berchtesgaden und Königsee... eher zügig abgefahren um es ehrlich zu sagen. Wir hatten die "einfach mal losfahren" Mentalität komplett für Slowenien (Hinfahrt) und Kroatien genutzt, da war es zu verkraften, dass der letzte Abend in Österreich auch eher zweckmäßig verbracht wurde.

Nach diesen zwei Wochen habe ich jedoch das Gefühl, dass zumindest zum Durchfahren eine gute Woche ausreichend ist für das Festland von Kroatien. Sobald man sich auf der Adria Magistrale befindet hat man selten einen Grund ins Landesinnere zu fahren zumal so gut wie alle Campingplätze in Meernähe sind.
Anders sieht es da mit den Inseln aus. Wir haben unterwegs viele Leute getroffen, die von ihrer jeweiligen Lieblingsinsel geschwärmt haben. Ein Trip mit einzelnen Inseln ist aber nur einer von vielen guten Gründen um wiederzukommen! Wir haben zwar Schakale gehört und wilde Schildkröten gesehen, es soll ja aber auch noch Delfine geben.... es war also definitiv nicht der letzte Besuch!