Kurztrip in die Schweiz

Lange Wochenenden sind genau das Richtige für den Einstieg in die neue Saison. Also Koffer gepackt, 6er vollgetankt und ab geht's über das Fronleichnam-Wochenende zum Camping am Bodensee und der Schweiz!

"Ihr wollt wirklich zelten bei dem Wetter? Es soll doch übers ganze Wochenende regnen!", "Also zelten bei dem Wetter wäre ja überhaupt nichts für mich...". Kennt ihr solche Leute? Ja? Gut, wir auch. Meistens sind das Leute, die nicht gerade zum engeren Freundeskreis zählen und deren Meinung man daher auch besser als "Gequatsche der Kollegen" abtun sollte. Und was macht man, wenn einem alle den Urlaub madig quatschen wollen? Man fährt trotzdem bei Regen los! So.

Die Tage Donnerstag bis Sonntag standen uns zur Verfügung und über die Grenze hinaus sollte es schon sein. Da war der Bodensee mit 5 Stunden Fahrzeit ein gutes Ziel für die erste Nacht um von dort weiter in die Schweiz zu fahren und sich dann einfach treiben zu lassen.

Tag 1: Bonn - Bodensee

Wahnsinn, was so alles in den 6er passt. Diesmal war sogar noch etwas Platz im Kofferraum... keine Ahnung wie das passieren konnte!

Also fuhren wir gegen 10 Uhr los und es dauerte natürlich nicht lange bis wir im ersten Stau standen und die grauen Wolken aufzogen. Und als es dann so richtig anfing zu regnen dauerte es auch wieder nicht lange, bis die Scheibenwischer im Wolkenbruch ihren Dienst quittierten und man von jetzt auf gleich gar nichts mehr sehen konnte. Sowas war mir schon mal passiert, glücklicherweise allerdings damals im Nieselregen. Also den Abstand zum Vordermann nochmals verringert (so gut mann das denn noch beurteilen konnte) und den nächsten Rastplatz angesteuert. Eine kleine lose Mutter allein sorgt dafür, dass der Motor am Schaltgestänge durchdreht und keine Kraft mehr überträgt. Also eben festgezogen und weiter ging die Fahrt.

Bei der nächsten Pause in der Nähe von Stuttgart sah ich schon als ich aus dem Rasthaus kam, dass dort jemand vor meinem Wagen auf mich wartet. Irgendwann hat man für diese Leute einen Blick die nicht einfach nur in der Nähe des Oldtimers stehen und rauchen, nein, die wollen quatschen. Und darauf hab ich immer Bock und dafür ist immer Zeit. Bei dem älteren Herren handelte es sich um einen ehemaligen BMW Mitarbeiter, der sich noch zu gut mit dem E24 Modell auskannte und die ein oder andere Anekdote von ehemaligen 6er-Kunden berichtete. Wir nahmen die Komplimente zum Zustand und Erhalt dankend an und starteten das Triebwerk für den letzten Abschnitt.

Wir hatten in den Tagen zuvor schon mal grob geschaut, welche Zeltplätze es im westlichen Teil des Bodensees gibt und welche davon nicht ausschließlich aus Wohn- und Camping-Mobilen bestehen. So eine Erfahrung musste ich leider beim letzten Besuch am Bodensee machen. Damals bekamen wir für den Oldtimer und Zelt einen Platz mitten in der Wohnmobil-Spießigkeit. Die Nachbarn links von uns saßen nur drinnen und schauten Fernsehen, während die anderen Nachbarn einen Jägerzaun aufgebaut hatten, hinter dem die Katzen umherliefen. Sehr gemütlich.

Allerdings waren wir dann positiv überrascht gleich mit dem ersten angesteuerten Zeltplatz einen guten Treffer gelandet zu haben. Der Campingplatz Fliesshorn befindet sich mitten in einem Naturschutzgebiet mit direktem Zugang zum Bodensee und hat auch für Zelte genügend Platz. Moderne und sehr saubere Sanitäranlagen, dazu noch ein gut frequentiertes Restaurant (Reservierung nötig), ein Kiosk und Brötchenservice führten dazu, dass wir fast noch eine Nacht dort geblieben wären.
Für manche Leute bietet sich jedoch für die Nacht durchaus der Gebrauch von Ohrstöpseln an. Frösche, Enten und ein Kuckuck haben uns gut bei Laune gehalten...

Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen wie viele Leute zum 6er gratulierten oder von ihren eigenen alten BMWs berichteten. Das schönste Kompliment machte mir jedoch ein Schwabe als er sagte: "Der sieht aus wie ausm Schächtele!".

Tag 2: Bodensee - Schaffhausen - Klöntalersee

Nach einem entspannten Frühstück bei Sonnenschein direkt am Bodensee machten wir uns auf den Weg nach Schaffhausen um die Rheinfälle zu besichtigen.

Heutzutage ist man ja die offenen Grenzen der Nachbarländer gewohnt und wundert sich schon fast über die alten Grenzanlagen, die still am Straßenrand stehen. Als wir jedoch am Grenzübergang zur Schweiz standen musste ich mich doch etwas über die Personenkontrolle wundern. Klar, die Schweiz gehört nicht zur EU, ist aber Teil des Schengen-Raums wodurch es sich um eine "offene Grenze mit vereinzelten Personenkontrollen" handelt. Mit Oldtimer bedeutet das natürlich "Haaaaalt!".

Aber nach dem wir offenlegten was wir vor hatten, woher wir kamen wohin wir wollten, wieviel Kaffee wir dabei hatten und abstritten Fleisch mit uns zu führen (scheisse, die Salami im Kofferraum! Belügen eines Beamten! Schweiss auf der Stirn!), durften wir auch weiterfahren. Naja. Da im selben Moment auf der entgegengesetzten Spur ein Autofahrer regelrecht durchballerte wurden wir einfach nur angeblökt weiterzufahren. Also Arm wieder aus dem Fenster hängen lassen und entspannt aufs Gas.

Dass der Rheinfall einer der drei größten Wasserfälle Europas sein muss wird einem schon aus weiter Ferne bewusst, sobald man das Getöse der Wassermacht hört. Also schnell den 6er auf dem kostenlosen Parkplatz abgestellt und hinunter zum "Schloss Laufen". Mit 5 Franken Eintritt zu den Plattformen am Wasser ist man sehr günstig dabei und kann von den in den Fels geschlagenen Wegen hinunter zum Rhein wunderbare Fotos machen und die Wassermassen hautnah erleben.
Wir haben den Rheinfall am Freitagmorgen besichtigt und die Menge an internationalen Touristen war noch einigermaßen erträglich. Was allerdings zu anderen Zeiten hier los ist kann man sich ebenfalls gut vorstellen. Die Wege sind allesamt sehr eng und auch ein Besuch der Höhle am unteren Ende des Felsens direkt am Wasser sollte man sich gut überlegen. Wir kamen überall hin mit etwas Geduld, man hatte jedoch trotzdem ständig ein Smartphone oder eine Kamera vor der Nase oder einen Kinderwagen in den Hacken. Aber am Vormittag alles noch halb so wild.

Gestärkt mit einer Rivella und einer 6 Euro Bockwurst machten wir uns nun in Richtung Winterthur auf den Weg. Das grobe Ziel war einer der zwei Campingplätze am Klöntalersee.
Zu erleben, wie sich die Landschaft ganz langsam verändert, die hohen Berge in der Ferne auftauchen und man ihnen immer näher kommt hat jedes mal etwas ehrfürchtiges. Viel Landwirtschaft am Wegesrand, gewundene Straßen, die malerischen Dörfchen... schnell nimmt man es nicht mehr als "fahren" wahr und bemitleidet eher die Leute, die über die Autobahn schiessen und sich abhetzen um schnell am Ziel zu sein.

Am späten Nachmittag verliessen wir in Glarus langsam die befestigten Straßen und es ging hinauf zum Klöntalersee. Die Straße hier ist stellenweise steil und oftmals so eng, dass keine zwei Autos nebeneinander passen. Falls euch hier ein Postauto entgegenekommt also immer dran denken: Die sind weisungsbefugt und haben Vorfahrt, egal ob euer viertes Rad gerade in der Schweizer Luft hängt. Wie man hier dann noch mit einem Wohnwagen als Anhänger hochkommen soll ist mir schleierhaft, aber es muss offensichtlich irgendwie funktionieren...

Am unteren Ende des Sees angekommen machten wir uns gleich links entlang zum ersten der zwei Zeltplätze auf den Weg. Bei der Besichtigung des Platzes fiel mir aber schon auf, dass wir hier nicht mit unserem Wagen neben dem Zelt campieren dürfen. Zusätzlich schien es alles sehr eng und voll. Ernüchtert machten wir uns also auf zum anderen Ende des Sees in der Hoffnung, etwas passenderes für uns vorzufinden.
Auch der Zeltplatz Camping Vorauen war gut besucht, aber der Besitzer machte uns einen guten Vorschlag: Der Wagen musste zwar auf dem Parkplatz auf dem Zeltplatz bleiben, aber wir könnten dafür ein ruhiges Plätzchen am unteren Ende des Platzes mit uneingeschränktem Blick auf den See haben. Das hiess im Klartext: bei offenem Zelt direkter Blick auf das Bergpanorama mit dem See dazwischen. Da konnten wir nicht nein sagen.

Ich kann den Zeltplatz nur wärmstens empfehlen. Die Sanitäranlagen sind sauber und schön versteckt in einem kleinen Wäldchen und auch im Kiosk am Eingang bekommt man alles was es so braucht um einen entspannten Abend inmitten der Berge zu verbringen.
Über den Ausblick und die Natur verliere ich hier lieber weniger Worte und lasse stattdessen die Fotos sprechen.

Tag 3: Obersee - Bodensee

Nach einer sternenklaren Nacht haben wir hier am See zwischen den Bergen die Check-Out Zeit natürlich soweit es ging ausgenutzt.

Nach einem kurzen Lob zum 6er auf schweizer-deutsch, wollten wir von hier aus eigentlich über den Pragelpass fahren, welcher das Klöntal mit dem Muotatal verbindet. Nach wenigen Kilometern wurde dann allerdings klar, dass wir uns den Plan abschminken konnten: Der Pass ist am Wochenende für Motorfahrzeuge gesperrt. Also alles wieder zurück, anhalten, und eine Alternativroute für den Tag raussuchen. Denn kommt man nicht aus dem Tal wie geplant, kann man gleich mal zwei Stunden Weg einplanen um den Weg ums Tal herum zu fahren.
Damit war die Route über Luzern leider auch nicht mehr realistisch, denn für den Abend war geplant, auf schweizer Seite des Bodensees zu übernachten, um damit eine überschaubare Rückfahrzeit zu haben.

Also ging es stattdessen wieder langsam nach Norden zum Obersee um dort am späten Nachmittag noch etwas die schweizer Küche zu genießen. Gerade auf dem Parkplatz vor dem Gasthaus angekommen dauerte es auch keine Minute, bis jemand mit seinem BMW Cabrio in der Nähe parkte und recht zielstrebig auf uns zu kam. Er war uns schon seit mehreren Kilometern gefolgt und wollte sich unbedingt nach dem düütschen 6er erkundigen. Ein sehr nettes Gespräch entstand über Zulassungs-Idiotie in Deutschland und der Schweiz, dem Irsinn rund um Umweltzonen und Wertzuwachs von alten BMWs. Ich mag das ja immer wieder. Eigentlich hat man was vor, erinnert sich, dass man im Urlaub ist und verschnackt sich einfach.

Am frühen Abend kamen wir dann am Bodensee auf Schweizerseite an. Und leider bestätigte sich dort wieder meine Erfahrung, dass es sich beim Großteil der Campingplätze am Bodensee wohl größtenteils um Wohnmobil-Burgen handelt. Als klassischer Camper mit Zelt wird man dann wieder irgendwo dazwischen gequetscht und kann den Nachbarn beim fernsehen zuschauen.
Naja, wir haben das Beste daraus gemacht und hatten zumindest mit dem schweizer Pärchen im T3-Bulli neben uns recht entspannte Nachbarn. Empfehlen kann ich den Campingplatz Fischerhaus nahe Konstanz fürs zelten jedoch nicht.

Tag 4: Bodensee - Bonn

Immerhin war die Nacht, trotz der Nähe zur Straße, angenehm ruhig. Sanitäranlagen und Co. ebenfalls topp. Und zum Abschied, oder wegen des Muttertags, fuhr der Besitzer des Campingplatzes umher und verteilte rote Rosen an die abreisenden Damen. Eine schöne Geste, aber gedanklich ware ich doch schon auf der Autobahn bzw. dem drohenden Stau.

Mit einem kleinen Schlenker durch Konstanz, ging es dann auch bald wieder Richtung Bonn. Und wie es sich gehört zum Ende des Urlausb wurde das Wetter richtig beschissen und ein Stau folgte auf den Nächsten. Aber hey, das Wichtigste ist immer: Einfach losfahren und machen!